Wieder mit Nikolas Linsenmaier im Aufgebot errang der EHC Freiburg dank eines Doppelschlags im ersten Drittel einen 2:1-Sieg gegen den ESV Kaufbeuren und führt in der Best-of-seven-Serie aufgrund der tabellarischen Ausgangslage nun direkt mit 2:0
Die zwei Treffer in Minute 12 und 14, an denen beide Male Lynden McCallum maßgeblich beteiligt war, gaben dem EHC ein Polster, das er dank eines taktisch klugen Spiels – wenn auch ohne die nötige Finesse in seinen fünf Powerplays – auch trotz des gegnerischen Anschlusstreffers 77 Sekunden vor Ende über die Runden brachte.
Nachdem früh im Spiel die Angriffe des EHC größtenteils auf Fabian Ilestedt als Katalysator aus dem eigenen Drittel hinaus zurückzuführen waren und man obendrein auch die Gelegenheit eines frühen Powerplays (2.) nicht nutzen konnte – seinerseits aber obendrein ein dynamisches Überzahlspiel der Gäste überstehen musste (9.) –, witterten die Wölfe bei Anbruch der zweiten Drittelhälfte die Chancen, die ihnen schließlich die letztlich entscheidende Zwei-Tore-Führung einbrachte. Die neutrale Zone und die gegnerische blaue Linie wurden nämlich zum Wölfe-Revier, in dem die Gäste plötzlich anfällig wurden und aus dem heraus Blau-Weiß-Rot sich innerhalb von zweieinhalb Minuten gleich zweimal auf die Anzeigetafel spielen konnte – und das beide Male mit Lynden McCallum im Mittelpunkt. Ihren Anfang nahm diese Phase jedoch mit einem Angriff, den die Wölfe-Reihen erst einmal verzögern mussten, weil sich McCallum noch im Offensivdrittel befand. Als die Wölfe dann endlich ihren Angriff lancieren konnten, nahm eben ausgerechnet McCallum diesen derart in die Hand, dass er Tomas Schwamberger in Szene setzte, der mit einem Schlenzer mustergültig abschloss (1:0, 12.). Und kurz darauf zeigte McCallum Eishockey-Südbaden, dass es dem Kanadier heute eigentlich Kilometergeld schuldete, als er, von Fabian Ilestedt mit einem tiefen Pass auf die Reise geschickt, im Alleingang die Führung des EHC verdoppelte (2:0, 14.).
Die blau-weiß-rote Dominanz der neutralen Zone sollte noch zu weiteren Chancen im ersten Spielabschnitt führen – bevor sich dann im Mittelabschnitt die Freiburger Offensivbemühungen in einem anderen Bild präsentierten. So gelang es den Wölfen, sich in der frühen Phase des zweiten Drittels vermehrt über einen längeren Zeitraum in der gegnerischen Zone festzusetzen. Kurioserweise wirkte Freiburg, wie mit dem Anspiel von Sameli Ventelä auf Travis Ewanyk (23.) oder von letzterem auf Chris Billich am Torraum (32.), in dieser Phase torgefährlicher als in den beiden weiteren Powerplays, die ihnen in diesem Spielabschnitt – beide jeweils wegen eines Crosschecks des Gegners – zugesprochen wurden (32./36.). Die zweite dieser Phasen nahm durch die Arbeit von Shawn O’Donnell am Torraum zwar etwas Fahrt auf, wich dann jedoch ohne Ausbeute dem zweiten Überzahlspiel der Gäste. Doch das indirekte Duell der beiden schwächsten Unterzahlformationen der Liga schraubte zum Ende des zweiten Drittels die Gesamtausbeute der Powerplays in diesem Spiel auf 0-aus-5 hoch – jedoch nicht ohne Schrecksekunde für den EHC: Als nämlich das Kaufbeurer Überzahlspiel gerade einmal fünf Sekunden alt war, wurde zunächst eine weitere Strafe gegen den EHC ausgesprochen, weil bei einem Befreiungsversuch die Scheibe ihren Weg über die Plexiglasscheibe im eigenen Defensivdrittel fand (38.). Nach Konsultierung des Videobeweises revidierten die Unparteiischen jedoch ihre Entscheidung, weil der Puck in dieser Aktion noch von einem Kaufbeurer Spieler berührt worden war, was den EHC mit dem Schrecken einer potentiell bevorstehenden, nahezu genau zweiminütigen, Drei-gegen-fünf-Unterzahl davonkommen sah.
Kaufbeurer Chancen mögen in diesem Mittelabschnitt eher Mangelware gewesen sein, was jedoch nicht über den Umstand hinwegtäuschen sollte, dass es um das von Fabian Hegmann gehütete Wölfe-Tor nicht auch das ein oder andere Mal brenzlig wurde, wie durch den verdeckten Schuss von Jonny Tychonick und einer Aktion am Torraum von Jere Laaksonen. Ähnliche Bilder sollten sich dann auch im letzten Drittel – diesmal vor der nahezu voll besetzten Gästekurve – abspielen. Insbesondere als eine Scheibe von der hinteren Torbande in Richtung Slot zurücksprang, wo plötzlich Jonas Fischer auf sie lauerte (44.), deutete sich an, dass der Weg zu einem erfolgreichen Playdown-Auftakt für Blau-Weiß-Rot noch holprig werden könnte.
Die Gäste zeigten nämlich obendrein punktuell auch ihre spielerische Klasse, als augenscheinlich das Unvermeidliche passierte und Sami Blomqvist in optimalem Winkel auf das Tor zog – doch Kaufbeurens Stürmerstar, der diese Saison nur 35 Spiele bestreiten konnte, wurde durch eine starke Aktion von Sameli Ventelä neutralisiert (42.).
Von da an spielten die Mannen von Juraj Faith ein äußerst cleveres letztes Drittel: Defensiv kompakt stehend ließ man eigene Gegenangriffe lieber in vermeintlich harmlosen Zwei-gegen-drei-Vorstößen versickern, um stattdessen Reihenwechsel in kürzeren Intervallen durchzuführen; und im gegnerischen Drittel etabliert wagte man lieber den Torschuss aus spitzem Winkel oder führte die Scheibe gar in die Ecke statt einen potentiell für einen Konter anfälligen Quer- oder gar Rückpass zu spielen.
Als sich Kaufbeuren fünf Minuten vor Ende durch zwei Strafen gar selbst den Wind aus den Segeln nahm – was das Freiburger Powerplay, auch im Fünf-gegen-drei jedoch nicht auszunutzen wusste –, galt es für die Wölfe schließlich noch, gut zwei Minuten eines gegnerischen Dauerangriffs abzuwehren – und dieser hatte es in sich: So zog Leif Carlsson knapp zwei Minuten vor Ende seinen Torhüter und bei dieser Sechs-gegen-fünf-Überlegenheit gelang es den Jokern schließlich, eine ihrer Szenen des Gewühls vor Fabian Hegmann in zählbaren Erfolg umzumünzen: Eine Minute und 17 Sekunden waren noch zu spielen, als der EHC diesen Anschlusstreffer zum 2:1 durch den vom Verletzungspech geplagten Stürmerstar Joe Cassetti kassierte, der in nur 24 Saisonspielen stolze 26 Scorerpunkte erzielt hatte – und es sollte noch bis zur Schlusssirene dauern, bis die Mehrheit der 2895 Zuschauerinnen und Zuschauer in der Echte-Helden-Arena schließlich kollektiv aufatmen konnte.
Gepaart mit dem formal zugesprochenen Sieg aufgrund des tabellarischen Vorsprungs gegenüber seinem Gegner, fehlen dem EHC nun also noch zwei Siege zum Klassenerhalt. Den nächsten Schritt in diese Richtung möchten die Wölfe in Spiel 2 der Serie in Kaufbeuren, am Sonntag um 17 Uhr machen, bevor die Serie dann am Dienstag, 17.3. um 19.30 Uhr in die Echte-Helden-Arena zurückkehrt.
Tore:
1:0 (11:36) Schwamberger (McCallum, Ventelä)
2:0 (14:00) McCallum (Ilestedt, Kühnhauser)
2:1 (58:43) Cassetti (McLellan, Hadraschek) – EA
Schüsse: Freiburg 36 (12/13/11), Kaufbeuren 38 (11/16/11)
Strafminuten: Freiburg 6, Kaufbeuren 12
Überzahleffizienz: Freiburg 0-5, Kaufbeuren 0-2
Schiedsrichter: Hoppe, Voit / Menz, Pletzer
Zuschauer: 2895
Aufstellung:
Hegmann (Cerveny)
Mühlbauer-Linsenmaier-O‘Donnell / Kühnhauser-Ventelä
McCallum-Kretschmann-Ilestedt / De Los Rios-Schlenker
Schwamberger-Ewanyk-Billich / Berry-Trinkberger
Majher-Weyrauch-Bechtold / Hempel























