15. März 2026

EHC dreht 0:3-Rückstand: Matchpuck!

Zu Spiel zwei der Playdown-Serie gegen den ESV Kaufbeuren traten die Wölfe am Sonntagnachmittag im Allgäu an und gewannen dramatisch mit 5:4 nach Verlängerung. Dabei drehten sie einen 0:3-Rückstand, mussten zwischenzeitlich den Ausgleich zum 4:4 hinnehmen und setzten sich schließlich durch.

„Die ersten zehn Minuten können wir total vergessen“, so äußerte sich Lukas Mühlbauer im Drittelpauseninterview treffend. Schließlich lagen die Wölfe nach nur gut vier Spielminuten mit zwei Toren im Rückstand.

Dabei war beiden Mannschaften eine gewisse Nervosität anzumerken, reihten sie doch zahlreiche Abspielfehler aneinander, was wiederum in zahlreiche Zweikämpfe mündete und damit eine eher zerfahrene Partie bedeutete. Aber der ESVK brachte spielerisch mehr zustande und profitierte vor allem beim 2:0 von einem Freiburger Abwehrfehler, als D’Artagnan Joly im Slot vergessen wurde und aus kurzer Distanz nur den Schläger reinhalten musste.

Aus einem aus EHC-Sicht sehr fragwürdigen Icing entstand das 1:0. Das gewonnene Bully – ansonsten dominierten die Wölfe die Mehrzahl der Anspiele im ersten Abschnitt – nutzte Kaufbeuren für einen Distanzschuss, der am Tor vorbei abgefälscht wurde, jedoch von der Bande zurückkam. Jere Laaksonen staubte ab.

Positiv: Zwei Kaufbeurer Überzahlspiele konnten die Wölfe wegverteidigen und damit einen höheren Rückstand verhindern. Diese beiden Erfolgserlebnisse schienen sie zu beflügeln. Denn nach zwischenzeitlich 8:2 Torschüssen kamen die Wölfe ungefähr ab Drittelmitte viel besser ins Spiel und verbuchten in Summe am Ende des ersten Abschnitts sogar deutlich mehr Torschüsse (15:9). Offensichtlich hatten sie die anfängliche Nervosität abgeschüttelt, legten läuferisch zu und verbesserten ihr Passspiel, was umgehend den Druck auf den ESVK erhöhte.

Aber: Abschlüsse von De Los Rios, Ilestedt, Schwamberger oder Kapitän Niko Linsenmaier fanden den Weg nicht ins von Daniel Fießinger stark und ruhig gehütete Tor. Auch ein Überzahlspiel konnte nicht genutzt werden, weshalb es beim 2:0 blieb.

Quasi mit der Drittelsirene handelte sich Travis Turnbull eine zweite Kaufbeurer Strafe ein, was es dem EHC ermöglichte, auf frisch gemachtem Eis mit einem Powerplay ins Mitteldrittel zu starten.

Was zunächst nach einem äußerst unglücklich verlaufenden Mittelabschnitt aussah – auch weil Chris Billich nicht mehr weitermachen konnte –, sollte sich im Verlauf zu einer dominanten Vorstellung des EHC entwickeln.

Die ersten beiden Spielminuten des zweiten Drittels konnten die Wölfe in Überzahl agieren, kamen aber zu keinen vielversprechenden Abschlüssen. Mehr noch: 53 Sekunden nach Ende des Powerplays gelang Kaufbeuren gar das 3:0 auf glückliche Art und Weise (23.). Tychonik warf die Scheibe Richtung Tor und schoss dort D’Artagnan Joly an, von dessen Körper die Scheibe ins Tor prallte. Unmittelbar danach nahm Headcoach Juraj Faith einen Torhüterwechsel vor. Patrik Cerveny übernahm für Fabian Hegmann und setzte damit ein Zeichen an seine Mannschaft.

Das 3:0 sollte die einzige Torchance der Hausherren im Mittelabschnitt bleiben. Denn nachdem der EHC einige Minuten brauchte, um sich von dem Nackenschlag zu erholen, legte Blau-Weiß-Rot den Vorwärtsgang wieder ein, dominierte fortan das Geschehen und erarbeitete sich zahlreiche Chancen.

Zwei nutzten sie schließlich: Zunächst traf Niko Linsenmaier im Powerplay (32.) – Joly saß für vier Minuten wegen hohen Stocks an Lynden McCallum in der Kühlbox –, sechs Minuten später legte ebenjener McCallum den zweiten Treffer nach. Mit viel Durchsetzungskraft beförderte er die Scheibe mit dem zweiten oder dritten Nachschuss in die Maschen.

Apropos „Durchsetzungskraft“: Nach 1:08 Minuten im letzten Drittel gelang Shawn O’Donnell vor der Freiburger Gästekurve der viel umjubelte Ausgleich, als er sich seines Gegenspielers entledigte und im Fallen Fießinger bezwang. Und es kam wenige Minuten später noch besser: Nach einem schnellen Angriff aus der eigenen Zone und einem punktgenauen Querpass von Alex de Los Rios traf Tomas Schwamberger – ab dem zweiten Drittel an der Seite von Lynden McCallum und Fabian Ilestedt stürmend – per Direktabnahme zur erstmaligen Führung.

Allerdings hielt die Führung nur wenige Sekunden. Thore Weyrauch, der später noch seinen großen Auftritt haben sollte, checkte seinen Gegenspieler regelwidrig in die Bande. Tyson McLellan nutzte die sich bietende Gelegenheit im darauffolgenden Powerplay zum Ausgleich.

Dieser Treffer hatte insofern Auswirkungen auf das Spiel, als dass die Hausherren wieder aktiver wurden und der EHC gleichzeitig wieder mehr Augenmerk aufs Verteidigen legte, um dem zu erwartenden Sturmlauf standhalten zu können.

So blieb es nach 60 Minuten beim 4:4, ehe Thore Weyrauch keinen besseren Zeitpunkt für seinen

ersten Treffer im EHC-Trikot hätte wählen können. In der 64. Spielminute fälschte er einen Fernschuss von Lynden McCallum unhaltbar für Fießinger zum Siegtreffer und zur 3:0-Serienführung ab. Der Treffer hielt einer minutenlangen Überprüfung der Schiedsrichter stand.

Der EHC erkämpfte sich in einem physisch geführten Spiel einen Matchpuck und kann am Dienstag mit einem Heimsieg den vorzeitigen Klassenerhalt sichern. Dabei ließ sich die Mannschaft auch nicht von einem frühen Zwei-Tore-Rückstand und dem zwischenzeitlichen 0:3 entmutigen, zeigte sich resilient und verdiente sich so diesen Sieg im Allgäu vollauf.

Tore:
1:0 (02:12) Joly (Burghart)
2:0 (04:08) Laaksonen (Appendino)
3:0 (22:53) Joly
3:1 (31:48) Linsenmaier (Ventelä, Ilestedt) – PP1
3:2 (37:09) McCallum (Ilestedt)
3:3 (41:08) O’Donnell (Mühlberger)
3:4 (45:02) Schwamberger (De Los Rios, Ilestedt)
4:4 (46:39) McLellan (Turnbull) – PP1
4:5 (63:44) Weyrauch (Schwamberger, McCallum)

Schüsse: Kaufbeuren 27 (9/7/9/2), Freiburg 43 (15/17/10/1)
Strafminuten: Kaufbeuren 10, Freiburg 6
Überzahleffizienz: Kaufbeuren 1-3, Freiburg 1-5
Schiedsrichter: Benjamin Hoppe, Kilian Hinterdobler / Norbert van der Heyd, Matthäus Riemel
Zuschauer: 3100

Aufstellung:
Hegmann (Cerveny)
O‘Donnell-Linsenmaier-Mühlbauer / Ventelä-Kühnhauser
Ilestedt-Kretschmann-McCallum / De Los Rios-Schlenker
Schwamberger-Ewanyk-Billich / Trinkberger-Schindler
Kiefersauer-Weyrauch-Bechtold / Hempel

𝘍𝘰𝘵𝘰: 𝘈𝘭𝘦𝘹 𝘞𝘪𝘯𝘵𝘦𝘳𝘩𝘰𝘭𝘭𝘦𝘳