14. September 2026

Derby-Niederlage der besseren Art: Warum das 2:5 in Schwenningen gewaltig trügt

Schwenninger ERC – EHC Freiburg 5:2 (3:1, 2:1, 0:0)

Wer an diesem Donnerstagabend mitten in den baden-württembergischen Schulferien nur einen flüchtigen Blick auf die Anzeigetafel der Schwenninger Arena warf, bekam eine völlig verzerrte Geschichte erzählt. Ein 2:5 im Derby beim ewigen Rivalen vom Neckarursprung liest sich auf dem Papier wie eine klare Angelegenheit. Die Realität auf dem Eis zeichnete jedoch das Bild einer Freiburger Nachwuchsmannschaft, die dem Gegner spielerisch und kämpferisch absolut auf Augenhöhe begegnete.

Man muss die Rahmenbedingungen kennen, um diesen Auftritt richtig einzuordnen. Während die Wild Wings den kompletten Sommer über den Luxus genossen, zweimal wöchentlich auf dem heimischen Eis zu trainieren, war für den Freiburger Nachwuchs seit dem Abtauen der heimischen Eisfläche im April hartes Trockentraining angesagt. Ein eklatanter Vorbereitungsnachteil, der sich lediglich in den ersten Minuten durch minimale Abstimmungsdefizite bemerkbar machte. Fynn Hezel (4.) und ein unglücklicher Shorthander von Gabriel Pech (6.) brachten die Hausherren früh in Front. Doch wer nun dachte, der fehlende Rhythmus würde den Wölfen das Genick brechen, sah sich gewaltig getäuscht.

Anstatt aufzustecken, besannen sich die Breisgauer auf jene Tugenden, die schon in den neunziger Jahren die gefürchteten Freiburger Nachwuchsteams auszeichneten. Das hart erarbeitete 1:3 in der (15.) Minute war das beste Beispiel für diese blau-weiß-rote DNA. Roman Fischer nahm das Heft tief im Schwenninger Drittel mit aggressivem Forechecking selbst in die Hand, stahl den Puck und bediente Jannik Bräuner punktgenau. Dessen satter Schuss aus dem Slot zwang den Schwenninger Schlussmann zu einem unkontrollierten Rebound, den Lukas Rutz geistesgegenwärtig über die Linie drückte. Ein Treffer des absoluten Willens, der unweigerlich an die unnachgiebige Arbeitsmoral eines jungen Tobias Kunz erinnerte, der sich seine ersten Sporen in der alten Franz-Siegel-Halle einst ebenfalls durch unermüdliches Nachsetzen in den Ecken verdiente.

Trotz eines schnellen Nackenschlags direkt nach Wiederanpfiff zum 1:4 (21.) ließen die Jungwölfe nicht locker. Johnny Brender verkürzte nach starker Vorarbeit von Elija Danner auf 2:4 (28.) und läutete eine Phase ein, in der Freiburg massiv drückte. Die Gäste kombinierten sich immer wieder sehenswert in die gefährliche Zone, doch die Hartgummischeibe wollte trotz drückender Überlegenheit einfach kein drittes Mal ins Netz. Dass Lennard Hauf noch im selben Abschnitt völlig gegen den Spielverlauf das 5:2 markierte (29.), war reine Schwenninger Kaltschnäuzigkeit. Wenn die Jungwölfe diesen unbändigen Willen und ihre klare taktische Struktur beibehalten, wird sich der witterungsbedingte Trainingsrückstand in den kommenden Wochen von ganz allein in zählbare Erfolge verwandeln.

Für den EHC Freiburg im Einsatz: Levi Weihberger, Mathias Ritt (Tor), Ben Troxler(-/1), Gerald Schwugier(-/1), Alexander Rigling(-/2), Dominik Frieden(-/2), Emanuel Brixa(-/3), Ben Schröder(-/3), Artjom Schneider(-/1), Nathaniel Vögele(-/1), Wladislav Flat(-/1), Roman Fischer(-/2), Lukas Rutz(1/2), Jannik Bräuner(-/2), Johnny Bräuner(1/3), Elija Danner(-/3), Gabriel Laschet(-/3), David Alten(-/4)

1:0 (03:37) Fynn Hezel (Blankenburg, Cacic)

2:0 (05:08) Gabriel Pech (Hauf) – SH1

3:0 (11:35) Roman Graf (Schwebius)

3:1 (14:24) Lukas Rutz (Bräuner, Fischer)

4:1 (20:33) Adam Srnka (Pech, Hauf)

4:2 (27:20) Johnny Brender (E. Danner)

5:2 (28:24) Lennard Hauf (Knap, Hezel)

Strafminuten: Schwenningen 4 – Freiburg 6

Torhüter: Weihberger (ab 20:00 Ritt)

Bild/Text: Vitali Fischer